Polli IPS - Informationen gewinnen und zielgerecht einsetzen

Gert René Polli unterwegs in WienWien - Mit dem Unternehmen Polli IPS (www.polli-ips.com) hat sich der frühere Nachrichtendienstler Gert René Polli selbständig gemacht. Nach seinem Engagement beim Siemens-Konzern befehligt der vormals leitende Offizier des Heeresnachrichtenamtes eigene Truppen und Ressourcen im "Wirtschaftskrieg". Die Welt der Nachrichtendienste bleibt für Normalbeobachter kaum durchdringlich. Es sind cineastische Darbietungen und Kriminalromane, die unser Bild über leidenschaftliche Spione ("Mata Hari") und halsbrecherische Terminatoren ("007 - mit der Lizenz zum Töten") prägen. Doch wären "James Bond" oder "Kommisssar X" wirklich so auffällig und laut wie im Kino, sie wären für ihre Dienste wertlos und sicher schon lange tot.

Gert René Polli (Jahrgang 1960), war von 2002 bis 2007 Leiter des österreichischen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Er war zuvor hoher Offizier des österreichischen Heeresnachrichtenamtes und wurde 2002 vom damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) mit der Leitung des neugegründeten BVT beauftragt. Nach Ablauf des Vertrages hatte sich Polli nicht mehr für diese Funktion beworben. Von Herbst 2008 bis November 2009 war Gert René Polli dann als Sicherheitschef beim Siemens-Konzern in Lohn. Es gab Vorwürfe gegen ihn wegen angeblicher geheimdienstlicher Agententätigkeit für den Iran, die so nie bekräftigt wurden. Gert René Polli hat sich inzwischen mit seiner Unternehmung Polli IPS in Wien selbständig gemacht und berät einflussreiche Wirtschaftslenker in Sicherheitsfragen. Wir haben mit ihm gesprochen.

 

Redaktion: Herr Polli, Sie waren, um es in einer 007-Kinosprache zu skizzieren, "M" des österreichischen Dienstes BVT und zuvor leitender Offizier beim Herres-Nachrichtenamt. Wofür brauchen demokratische Staaten nach der Annäherung von Ost und West heute noch "Schlapphüte"?

Polli: Selbstverständlich brauchen demokratische Staaten nach wie vor Nachrichtendienste, um die Demokratie zu schützen. Da treffen Sie aber einen wunden Punkt solcher Dienste. Nach wie vor leben viele Dienste noch in alten Kategorien und haben es nicht geschafft, sich an die neuen politischen Gegebenheiten auszurichten. Zwar hat sich das Aufklärungsprofil von der Ost-West Konfrontation hin zu wirtschaftlichen Themen verändert, die Strukturen, Verfahren und vielfach auch das Personal haben sich wenig geändert. Grundsätzlich bedarf es heute einer radikalen Strukturveränderung und einer Neuausrichtung der meisten europäischen Nachrichtendienste. Die Auflösung oder Zusammenlegung solcher Dienste wäre das Gebot der Stunde und hier spreche ich nicht nur für Österreich. Alleine in Deutschland gibt es in jedem Bundesland mindestens 2 verschiedene Dienste, in Italien noch viel mehr. Solche Strukturen sind meist mit sich selbst beschäftigt und konkurrenzieren sich vielfach untereinander. Es fehlt der Politik der Mut und wohl auch die Fachexpertise für notwendige Veränderungen. Diese unerträgliche Passivität innerhalb der Dienste, und auch der Politik, hat zu Fehlentwicklungen und offensichtlichen Schwächen so mancher Dienste geführt.

Redaktion: Ist es wirklich seit den Anschlägen am 11. September 2001 der Kampf gegen den Terrorismus, den die zivilisierte Welt zu ihrer Verteidigung braucht, oder sind es die feinen Informationsvorsprünge einer Regierung, auch unter befreundeten Staaten, die den Kostenapparat "Geheimdienst" effizient machen?

Polli: Effizienz und Geheimdienstarbeit in einer intakten Demokratie sind tatsächlich ein Widerspruch in sich. Die Frage ist vielmehr, ob es nicht effizienter und kostengünstiger wäre, die Leistungen von Geheimdiensten teilweise zu privatisieren.

Für staatliche Nachrichtendienste gilt, dass sie dann am effizientesten arbeiten, wenn Sie eine klare Zielvorgabe durch die Politik erhalten. Die Aufgabe der Terrorismusbekämpfung hat die Nachrichtendienste generell aber vor einer Sinnkrise bewahrt. Das hat aber auch dazu geführt, dass demokratische Entscheidungsverfahren außer Kraft gesetzt wurden. Die Rechtfertigung von Folter und der Einsatz gezielter Tötungen sind solche Auswüchse von Fehlentwicklungen.

Zurückblickend bin ich heute der Meinung, dass die Terrorismusbekämpfung als Feigenblatt benutzt wird und wurde, um breitflächig das Recht auf Privatsphäre auszuhebeln. Auch denke ich hier an das SWIFT-Abkommen, das vorwiegend der Kontrolle der Geldflüsse dient, aber auch an die Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr und die Kontrolle des Daten- und Informationsflusses im Internet. Alle diese Maßnahmen lassen sich letztlich auf die Terrorismusbekämpfung zurückführen und stehen doch in der politischen und auch wirtschaftlichen Realität für etwas ganz anderes.

Redaktion: Wie wahr/authentisch ist aus Ihrer Erfahrung die Welt der Nachrichten, die wir als Zuschauer in "Tagesschau" (ARD) oder "Zeit Im Bild" (ORF) und bei anderen täglich gezeigt bekommen?

Polli: Die Medien generell und damit auch die Nachrichten sind heute die Waffen der Nachrichtendienste. Es geht um Manipulation von Massen, die Zementierung von Feindbildern und die Vorbereitung von ansonsten schwer zu argumentierenden politischen Maßnahmen. So sind immer dann die „Rebellen“ die Guten, wenn es darum geht, Regime abzulösen und Waffenlieferungen politisch vorzubereiten. Nachrichtendienste nutzen Medien um Kritiker mundtot zu machen, Aktienkurse zu drücken, NGO‘s mit politischen Aufgaben einzurichten, Geld im großen Stil zu waschen oder schlicht falsche Spuren zu legen.

Wenn es heute noch eine Rechtfertigung für den Nutzen solcher Nachrichtendienste gibt, dann sind es Operationen mit solchen Zielsetzungen. Und hier scheidet sich die Spreu vom Weizen innerhalb der Nachrichtendienste. Operativ gewonnene Kenntnisse werden von manchen Diensten administriert, von andern Diensten aber präventiv eingesetzt. Und das macht den qualitativen Unterschied aus.

Redaktion: Sie waren langjährig leitender Offizier des Heeres-Nachrichtenamtes der Republik Österreich, haben später den Verfassungsschutz BVT gegründet und aufgebaut, waren Sicherheitschef des Siemens-Konzerns und haben sich nun mit der polli-IPS/Wien selbständig gemacht. Ist es wirklich so schlimm um die europäische Wirtschaft bestellt, dass es eine private Spionageabwehr für erfolgreiche Unternehmen braucht?

Polli: In der Regel braucht ein Unternehmen keine private Spionageabwehr, wohl aber eine intakte Sicherheitslandschaft. Der Schutz firmeninterner Informationen ebenso wie der Zugang zu Informationen wird für das wirtschaftliche Überleben immer wichtiger.

Beispiele hiefür gibt es viele, wie die Entscheidung der OMV auf das Projekt Nabuco zu setzen oder die Entscheidung der Siemens AG aus dem Solargeschäft auszusteigen. Die Gewinnung von Informationen und deren Nutzung im Sinne wirtschaftlicher Richtungsentscheidungen ist die Kernkompetenz unseres Unternehmens, polli-IPS. Zu herkömmlichen Nachrichtendiensten stehen wir aber nicht in Konkurrenz, wir bieten mehr.

Es ist aber nicht nur der Informationsvorsprung der ein Unternehmen oder ein Projekt voranbringt. Es ist auch der Schutz der sogenannten „Golden Nuggets“, wie sie jedes Unternehmen hat.

Private Nachrichtendienste haben im deutschsprachigen Raum bisher kaum Tradition. Im Gegensatz zum anglosaxischen Raum ist das gang und gäbe. Dort hat sich eine andere Businesskultur etabliert. Firmen und Konzernen werden mit nachrichtendienstlicher Expertise ausgestattet und dadurch konkurrenzfähiger.

Redaktion: Was unterscheidet Ihre Arbeit vom herkömmlichem Werkschutz oder den Ermittlungen renommierter Detekteien?

Polli: Wir sind eine international tätige Firma, die nicht nur Informationen gewinnt und zielgerichtet einsetzt sondern diesen Informationsvorsprung gemeinsam mit unseren Klienten umsetzt. Im Gegensatz zu einem staatlichen Nachrichtendienst sind wir „kein Ofen, der sich selbst wärmt“.

Redaktion: Herr Polli, wir danken für das interessante Gespräch!