Keine Angst vor Designerbabys - Briten gestatten künstliche Schaffung eines Babys aus drei Menschen

London - Das Londoner Parlament stimmte heute für die Zulassung von künstlichen Befruchtungen, bei denen die DNS von drei Menschen genutzt wird um schwere Erbkrankheiten zu vermeiden.

Damit betritt Großbritannien Neuland im so umstrittenen Gebiet der DNA-Manipulation. Als erstes Land beantworteten die Abgeordneten die ethische Frage, ob man an der Erbinformation eines ungeborenen Kindes herumbasteln darf, mit Ja. Künftig dürfen nun auf der britischen Insel Kinder künstlich gezeugt werden, die die DNS von drei Elternteilen erhalten. Allerdings mit der Einschränkung, dass dadurch die Übertragung schwerer Erbkrankheiten vermieden werden kann. „Familien, die wissen, was es bedeutet, für ein schwerkrankes Kind zu sorgen, werden in die Lage versetzt zu entscheiden, ob eine Mitochondrienspende die richtige Option für sie ist", freut sich der Chef der Wohlfahrtsorganisation Wellcome Trust, Jeremy Farrar. Er gehört zu den Befürwortern der hochumstrittenen Methode, welche an der Universität Newcastle entwickelt worden ist.

Konkret könne man damit Eltern helfen, bei denen die Frau unter einer sogenannten Mitochondriopathie leidet, einer Fehlfunktion der Energieproduzenten der Zellen, die schwere degenerative Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche nach sich zieht. Da sich die genetische Information für die Bildung der Mitochondrien ausschließlich mütterlich weitervererbt, nützt auch ein gesunder Vater nichts um die Weitergabe an das Kind zu vermeiden. Die Forscher aus Newcastle entwickelten eine Technik, bei der die defekten Gene der Mutter durch gesunde einer anderen Frau ersetzt werden. Anschließend findet die künstliche Befruchtung mit den Samenzellen des Vaters im Labor statt. Jedes Jahr werden rund 125 britische Babys mit dieser Krankheit geboren.

Das Kind, welches geboren wird, trägt dann also die Erbinformation von drei Menschen: Mutter, Vater und Spenderin. Da die DNS für die Mitochondrien nur etwa ein Prozent der gesamten Erbinformation ausmacht und nicht charakterbildend ist, gehen Forscher davon aus, dass sich die Spende nicht auf den Charakter des Kindes auswirken wird.

Die Mehrheit der britischen Abgeordneten, 382 insgesamt, befürworteten die Methode. Die Regierung, allen voran der Premierminister David Cameron unterstützte das Vorhaben, wie ein Sprecher bestätigte. 2006 war Camerons sechsjähriger Sohn an einer seltenen Form von Epilepsie gestorben. Außerdem hatte sich eine Gruppe von Vereinen an die Abgeordneten gewandt und die Technik als „ersten Hoffnungsschimmer für betroffene Familien“ bezeichnet. Lord Robert Wilson, Pionier der künstlichen Befruchtung, erklärte die Methode sei so harmlos, wie eine einfache Blutabnahme.

Nur 128 Abgeordnete stimmten gegen die Einführung. Kritiker befürchten vor allem ethische Folgen: „Wenn einmal diese ethische Grenze überschritten wird, wenn einmal festgelegt wird, dass es erlaubt ist, das menschliche Erbgut zu verändern, wird es schwierig, nicht die nächsten Schritte zu gehen und zu einer Welt zu kommen, in der Babys nach Maß produziert werden“, mahnte David King vom Verein „Human Genetics Alert“. Andere kritisierten die mangelnde Studienlage, die keinerlei Rückschlüsse auf die Sicherheit des Verfahrens zulasse. Zudem sei unklar, ob das Verfahren überhaupt funktioniere.

Das ist ein „Szenario, das alle vermeiden wollen“. Die anglikanische Kirche mahnte, Ärzte seien nun in der Lage, in die Natur einzugreifen und Designerbabys zu kreieren. Es gebe „ernstzunehmende ethische Bedenken“ gegen die Methode, die „die Zerstörung eines menschlichen Embryos als Teil des Prozesses“ voraussetze. Dabei sei ein menschlicher Embryo ein menschliches Leben und kein „frei verfügbares Material“. Auch der schottische Bischof John Keenan von Paisley äußerte sich kritisch: um einen krankheitsfreien Embryo zu bauen, müssten zwei gesunde Embryonen zerstört werden. Das sei keine Behandlung: „Sie heilt nichts und niemanden; eher versucht sie, jeden, der von bestimmten Umständen betroffen ist, aus dem Genpool zu entfernen.“ Die anglikanische Staatskirche forderte weitere ethische und wissenschaftliche Studien zur Abschätzung der Folgen des Verfahrens. „Ohne ein besseres Verständnis darüber, welche Rolle die Mitochondrien bei der Weitergabe von Erbeigenschaften haben, hält die Kirche eine entsprechende gesetzliche Regelung zur jetzigen Zeit für unverantwortlich.“