Fünfzig Persönlichkeiten und BILD vs. PEGIDA - hört denn niemand zu?

Quelle: PEGIDADresden - Fünfzig Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur sprachen sich in einem Appell gegen PEGIDA, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz aus. Auch die AfD geht auf Distanz.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat es vorgemacht, nun preschen zwei weitere Altkanzler hinterher: Gerhard Schröder (SPD) und Helmut Schmidt (SPD) schloßen sich dem Boykott der Bürgerbewegung PEGIDA an. Sie gehören zu den fünfzig Personen, die sich mit dem Appell gegen die Islamisierungsgegner im Speziellen und gegen Rassismus im Allgemeinen richten. "Die PEGIDA-Proteste appellieren an dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz. Doch das ist nicht Deutschland", verkündete Schmidt. Schröder forderte erneut einen "Aufstand der Anständigen" ("Den brauchen wir heute.") und erklärte, dass es gut sei, "dass die demokratischen Parteien und die Kirchen eine klare Position gegen PEGIDA gefunden haben." Sie ordnen sich somit in eine Reihe mit den derzeit tätigen Politikern, die tagtäglich erklären, wie rassistisch und verwerflich der Protest für eine bessere Asylpolitik, gegen Asylmissbrauch,  zunehmende Islamisierung und für eine volksnahe Politik ist. Eine Differenzierung findet nicht statt. Während die Teilnehmer von PEGIDA fordern, dass diejenigen, die unberechtigt Asyl im Lande ersuchen, schneller ausgewiesen werden, als es derzeit der Fall ist, scheint es auf Ebene der Politiker ausschließlich Kriegsflüchtlinge zu geben. "Parolen ersetzen keine Fakten: Deutschland braucht Zuwanderer. Und wir müssen ein Herz haben für Flüchtlinge in Not", so Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). So wird ein Bild des rassistischen Wutbürgers gezeichnet, der sich durch Unmenschlichkeit gegenüber den Schwächsten auszeichnet und deshalb unbedingt zu bekämpfen ist. Dass das gezeichnete Bild der Politiker, welches lediglich den Teil der dem Krieg entronnenen Asylsuchenden beleuchtet, an der erlebten Realität der Menschen des Landes vorbeigeht, zeigt die weiterhin steigende Teilnehmerzahl der Proteste.

Nun fühlte sich sogar Oliver Bierhoff, der Manager der Fußballnationalelf veranlasst, zu erklären: "Wir sind Weltmeister geworden mit vielen Spielern, die einen Migrationshintergrund haben. So selbstverständlich wie wir in der Nationalelf Integration leben, so sollte es auch in der Gesellschaft funktionieren." Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte: "PEGIDA schadet nicht nur unserem Land, es wirft auch ein schlechtes Bild auf Deutschland im Ausland."  Und weil einige Medien berichteten, dass unter den Teilnehmern nicht nur das Klischeebild des eigentlich erwarteten gern parolenbrüllenden Fußballfan-Hobbynazis vertreten ist, sondern auch erstaunlich viele ältere Bürger, Rentner gar, plötzlich auf der Straße stehen, wurde auch Volkssänger Heino rekrutiert, um vor der Gefahr durch PEGIDA zu warnen. "Wir leben Gott sei Dank in einem freien und fortschrittlichen Land und sollten politisch Verfolgten aus anderen Ländern immer eine Heimat geben. Deshalb lehne ich die PEGIDA-Bewegung ab. Das ist schon eine Frage des Anstands", so der beliebte Sänger.

Zeitgleich zum im üblichen BILD-Niveau verfassten Appell distanziert sich AfD-Chef Bernd Lucke weiter von PEGIDA. Während seine sächsische Kollegin Frauke Petry sich gerne mit den Organisatoren unterhalten möchte, mahnte Lucke zur Vorsicht im Umgang mit den Anhängern der Bewegung. Zwar seien Gespräche in Ordnung, einen Schulterschluss bedeute dies jedoch noch lange nicht, so Lucke. Selbst in der sich gern als Wutbürgerversteherpartei ausgebenden AfD also keine Sympathien für PEGIDA mehr?

Nach der Lektüre des Appells und den täglichen Distanzierungserklärungen aller, die meinen etwas zu sagen zu haben, bekommt man allmählich Verständnis für die konsequente Verweigerung der Zusammenarbeit mit der Presse, die die Organisatoren des Protestes praktizieren. Seit über elf Wochen gehen die Bürger nun schon auf die Straße und äußern dort deutlich und friedlich ihre Forderungen nach mehr Gehör bei den Politikern. Lutz Bachmann, einer der Organisatoren in Dresden, erklärte vor Weihnachten, dazu müsse niemand aus dem Orgateam mit der Presse reden, dazu reiche es aus, wenn die Presse und die Herrschenden einfach mal zuhörten, was am Montagabend in der sächsischen Hauptstadt gesprochen wird. Doch auch nach über elf Wochen hört keiner zu.