Einzeltäter und Rückkehrer - Terrorgefahr auch in der Provinz

Afghanischer KämpferBerlin - Viele glauben, dass der Islamismus nur eine Gefahr für Länder im Nahen und Mittleren Osten sei. Die grausigen Taten des „Islamischen Staats“ (IS) geben dazu auch genügend Anlass. Doch viele derjenigen, die aus Deutschland nach Syrien oder in den Irak ausgereist sind, um dort am Dschihad teilzunehmen, kommen nach Deutschland zurück. Laut den Sicherheitsbehörden gelten sie danach als besonders radikalisiert und gefährlich.

Sicherheitsbehörden gehen auch davon aus, dass die Annahme falsch sei, dass die Terrorgefahr nur in Großstädten bestehe. Radikalisierte Einzeltäter, aber auch Trittbrettfahrer könnten überall zuschlagen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) warnte nun, dass „jeder Ort in Deutschland“ zum Ziel werden könnte. „Alles, was rund ums Brandenburger Tor geschieht“, sei zwar medienwirksamer, aber um eine Gesellschaft im Kern zu treffen, seien auch andere Zielorte denkbar.

Lewentz nannte als Beispiele den versuchten Kofferbombenanschlag von Koblenz und Terroranschläge in Dijon und Brüssel, wo Terroristen gezielt leicht zugängliche und stark besuchte Ziele auswählten, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Präsidentin des baden-württembergischen Verfassungsschutzes, Beate Bube sagte dazu, dass man auch im Südwesten der Republik mit Attentaten von Einzeltätern rechne.

Die Radikalisierung von Moslems schreite immer schneller voran. So sagte der Islamismusexperte Markus Kaiser: „In manchen Fällen dauert es nur zwei oder drei Monate, bis jemand bereit ist, nach Syrien zu reisen und dort beispielsweise für die Organisation Islamischer Staat (IS) zu kämpfen.“ Derzeit gebe es zwar keine konkreten Erkenntnisse zu bestimmten Anschlagszielen, aber die Gefahr sei größer denn je.

180 der 550 aus Deutschland ausgereisten Dschihadisten sind bereits wieder zurückgekehrt. Die Behörden gehen aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Lewentz spricht in diesem Zusammenhang von „tickenden Zeitbomben“, da sie zum Teil stark traumatisiert seien und an Waffen und im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet wurden.

Andere Experten vermuten, dass die Gefahr durch in Deutschland gebliebene Fanatiker mindestens genauso groß sei. Die Behörden gehen derzeit von etwa 7.000 radikalen Anhängern der Salafisten-Szene aus, denen Gewalttaten zugetraut werden müssen.

Die Politik hat es bisher sträflich versäumt, ein Konzept zu entwickeln, um die Wiedereinreise von Dschihadisten nach Deutschland zu verhindern. Das wird sich möglicherweise irgendwann rächen.