Brief an Bernd Lucke - In der AfD entbrennt der offene Konflikt

Dettleff W. Schilde, Bernd Lucke und Joachim Starbatty (Quelle: Politspiegel Schilde) Berlin - Der Streit in der AfD ist neu entbrannt. Nach monatelangen inhaltlichen Auseinandersetzungen über den richtigen Umgang mit Russland und der Positionierung zur PEGIDA-Bewegung gehen nun die persönlichen Animositäten weiter. Nicht nur auf Landesebene, auch auf der Bundesebene wird sich gefetzt, was das Zeug hält.

In etwa einem Monat kommt die AfD in Bremen zu einem Satzungsparteitag zusammen. Dort sollen, wenn es nach Bundessprecher Bernd Lucke geht, Änderungen an der Führungsstruktur vorgenommen werden. Lucke spricht sich dafür aus, dass die AfD künftig nur noch einen Vorsitzenden haben sollte. Er bringt sich in diesem Zusammenhang selbst ins Spiel. Er sei es leid, dass die derzeitige Führungsstruktur immer wieder zu mühseligen Absprachen führe. Aktuell teilt sich Lucke die Spitze mit dem Publizisten Konrad Adam und der sächsischen Landtagsabgeordneten Frauke Petry.

Zahlreiche Führungsmitglieder der AfD haben nun einen Brief an Bernd Lucke geschrieben, um ihm zu verdeutlichen, dass sie mit seinem Führungsstil nicht einverstanden sind. Auch fordern sie ihn auf, seine Pläne für eine Ein-Mann-Spitze aufzugeben. Neben Adam und Petry gehören der brandenburgische Landtagsabgeordnete Alexander Gauland, der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Marcus Pretzell und die Europaabgeordnete Beatrix von Storch zu den Unterzeichnern.

Im Brief werden Lucke „Führung nach Gutsherrenart“, „Aktionen ohne Rücksprache“ und „Alleingänge“ vorgeworfen. Auch heißt es in dem Brief: „Der eine oder andere mag sich fragen, was als nächstes statt durch Überzeugung mit Drohung gegen die Mitglieder durchgesetzt wird.“

Darüber hinaus fordern die Unterzeichner Lucke dazu auf, sich künftig auf die Themen EU-Strukturreform und Euro-Rettungspolitik zu konzentrieren. Andere Themen wie Außenpolitik, Zuwanderung und Bürgerrechte solle er stattdessen gleichberechtigten Repräsentanten“ der Partei überlassen. Man darf gespannt sein, ob Lucke trotz dieses zunehmenden Widerstands künftig weiterhin als Vorsitzender zur Verfügung steht. Im November ließ er dies noch offen.

Sein Stellvertreter, Hans-Olaf Henkel stärkte Lucke derweil den Rücken: „Die Kakophonie der letzten Wochen liefert den Beweis dafür, dass Lucke richtig liegt.“

Man darf gespannt sein, ob der Streit sich durch den Parteitag klären lassen wird oder aber dauerhaft zwei sich gegenseitig bekämpfende Flügel in der Partei entstehen werden.