Bleiberecht erzwingen - Flüchtlinge in München im Hungerstreik

München - Seit drei Tagen befinden sich dreißig Asylanten am Sendlinger-Tor-Platz in München im Hungerstreik. Sie demonstrieren gegen die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften.

Wie das Kreisverwaltungsreferat (KVR) bestätigte, befinden sich rund dreißig Personen mit Schlafsäcken und Decken in einem offenen Zelt auf dem  Sendlinger-Tor-Platz in der Innenstadt. Sie werden dabei von Helfern und weiteren Protestierenden unterstützt. Die Asylsuchenden forderten neben besseren Unterkünften auch einen Zugang zum Arbeitsmarkt. Sie lehnen die Regelung ab, die vorschreibt, dass innerhalb der EU nur das Land für sie zuständig ist, in welches der Asylbewerber einreiste und fordern das Bleiberecht für Deutschland. Dies wollen sie notfalls auch erzwingen. "Wir sind Menschen, die Hunderte von Talenten mitbringen. Wir wollen hier grundlegende Menschenrechte haben", heißt es in einer Mitteilung.

Die Versammlung ist bis kommenden Montag genehmigt. Wie die Asylanten erklärten, wolle man sehr lange ausharren. Notfalls werde man auch in den "trockenen" Hungerstreik, der auch auf Flüssigkeit verzichtet, treten, erklärte die Gruppe kämpferisch. In der Zwischenzeit müssten allerdings bereits zwei Asylanten den Hungerstreik abbrechen. Verantwortlich seien gesundheitliche Gründe gewesen. So seien die beiden jungen Männer laut KVR wegen Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen ins Krankenhaus gebracht worden. Einer der beiden habe zudem hohes Fieber und eine Erkältung gehabt, heißt es aus den Unterstützerkreisen der Asylantragssteller.

Die übrigen Ausländer setzten ihren Streik unterdessen fort. Das Angebot des Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der vorschlug die Streikenden zwischenzeitlich in der Bayernkaserne unterzubringen, lehnten die Protestierenden ab. Er hatte die Gruppe und ihre Unterstützer am Montag besucht und ihnen "Gespräche mit der bayerischen Staatsregierung und eventuell Vertretern der Bundesregierung" angeboten. "Wenn wir jetzt in die Lager zurückgehen, sind wir in der gleichen Situation wie vorher. Wir können nicht einfach dort warten und darauf vertrauen, dass sich von alleine etwas ändert. Wir haben keine Wahl", so ein Sprecher der Gruppe. Unterstützer haben mittlerweile einen zweiten Pavillon aufgestellt und zusätzliche Holzpaletten gegen die Kälte.

Das KVR beobachtet die Gruppe genau. Bereits im Juni vergangenen Jahres musste die Polizei einen Hungerstreik am Münchner Rindermarkt auflösen, weil für einige Flüchtlinge nach mehreren Tagen ohne Flüssigkeitszufuhr schließlich eine konkrete Gefahr für ihre Gesundheit und ihr Leben bestand. "Vorerst sehen wir keinen Grund, die Aktion abzubrechen", so eine Sprecherin des KVR. "Das kann sich aber jederzeit ändern. Wir haben die Situation genau im Blick."